11.05.2022 S. Ho..

Das Forschungslabor für Schluckstörungen der Universität von New Mexico hat anhand von Fakten einen Rahmen für die Risikoabwägung bei der Arbeit mit Personen mit prandialer, also Dysphagie-assoziierter Aspiration vorgeschlagen.
Lesen Sie mehr zum B-O-L-U-S-System für die therapeutische Entscheidungsfindung bei Dysphagie hier...
26.04.2022 H.Sch.

Dass längere Intubationen schwerwiegende Folgen für die pharyngo-laryngealen Strukturen und Funktionen haben können, ist in der Literatur schon vielfach thematisiert worden. Ein neuer Artikel von ausgewiesenen Dysphagie-Experten aus England fasst die aktuelle Evidenz bestechend klar zusammen.
Intubationen (mit den in der Folge oft notwendigen Tracheotomien) sind verbunden mit einer hohen Prävalenz von laryngealen Verletzungen (57 – 83%), Dysphonien (um 80 %), Schmerzen (76%) und Dysphagien (49%). Häufigkeit und Schweregrad dieser Beeinträchtigungen hängen direkt mit der Intubationsdauer zusammen. Dies zeigte sich gerade auch bei den Covid-Betroffenen mit den oft langen Intubations- und Beatmungszeiten.
Die beiden Autoren betonen, dass pharyngo-laryngeale Verletzungen und Dysfunktionen auch heute noch oft unentdeckt und unbehandelt bleiben. Schwerwiegende Komplikationen wie misslingende Extubationen, Aspirationspneumonien aufgrund von Dysphagien, reduzierte Hustenfunktion mit Sekretverhalt können die Folgen sein. Es resultieren verzögerte Erholung der Betroffenen, längere Aufenthalte auf Intensivstationen, höhere Kosten bis hin zu erhöhter Mortalität.
Um solche teils schwerwiegende Komplikationen zu reduzieren, sollten nach Extubation endoskopische Kontrollen der betroffenen Strukturen sowie professionelle Diagnostik (und gegebenenfalls Therapien) der Stimm- und Schluckfunktion zwingend durchgeführt werden. Das bedingt den routinemässigen Einbezug von LogopädInnen auf der Intensivstation im Rahmen einer multiprofessionellen Zusammenarbeit. Schon bei tracheotomierten invasiv beatmeten Patientinnen und Patienten kann mittels Entcuffen der Trachealkanülen und dem Einsatz von Sprechventilen mit der Arbeit an Stimme und Schlucken sehr effektiv begonnen.
Link zum englischen Originalartikels hier
Der Artikel besticht durch seine Klarheit und durch die umfangreich verarbeitete aktuelle Literatur. Wer immer sich mit Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation beschäftigt oder Unterstützung braucht für die dringende Beachtung der genannten Problematik: Dieser Artikel liefert überzeugende Argumente.
Literatur:
Wallace, S., & McGrath, B. A. (2021). Laryngeal complications after tracheal intubation and tracheostomy. BJA education, 21(7), 250–257. https://doi.org/10.1016/j.bjae.2021.02.005

Manche Menschen sind auch nach Spitalaustritt zuhause weiterhin auf eine modifizierte, feuchte oder gar pürierte Kost angewiesen. Bernd Ackermann, der Küchenleiter der Schweizerischen Epilepsie-Stiftung weiss, dass die richtige Ernährung nicht nur das Schlucken erleichtern sondern auch die Lebensqualität verbessern kann. Aus diesem Grund hat er ein Kochbuch mit Rezepten vom Frühstück bis zum Nachtessen geschrieben. Hier gibt's einen Blick ins Buch.
Übrigens wurden die Rezepte bereits von Patienten getestet und haben grosses Lob erhalten!
Das Buch ist überall, wo es Bücher gibt, erhältlich.
15.02.2022 S.Ho.
21.12.2021 H.Sch

Schlucken ist ein hochkomplexer, aber zugleich äusserst spannender Vorgang. Das wissen wir alle aus unserer täglichen Arbeit. Die Forschung zeigt uns immer wieder neue Erkenntnisse, die für unsere Arbeit mit den Dysphagiepatientinnen und -patienten wichtig sein können. Eine solche Arbeit stammt von Dr. Katharina Winiker. Sie stellt darin die Frage, ob und inwieweit das pharyngeale Schlucken willentlich verändert werden kann. Für unsere therapeutische Arbeit ist dies eine sehr zentrale Frage. Der interessante Artikel ist hier zu finden.
Katharina Winiker hat selber einige Jahre als Dysphagietherapeutin gearbeitet, bevor sie in Neuseeland bei Prof. Maggie-Lee Huckabee erfolgreich promoviert hat. Heute arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Schweizer Hochschule für Logopädie in Rorschach.
In englischen Artikeln findet man Begriffe wie:
hyoid bone displacement, hyoid excursion, hyoid elevation oder hyoid movement.
In deutschen Büchern oder Artikeln sind Ausdrücke wie Hyoid-Verlagerung, Hyoid-Exkursion, Hyoid-Elevation oder Hyoid-Bewegung zu finden.
Dabei ist zu beachten, dass die Begriffe wie Elevation und Exkursion nicht synonym zu verwenden sind, sondern die Elevation bezieht sich ausschliesslich auf die Hebung nach oben. Wenn die physiologische Auslenkung des Zungenbeins, die eine schräg nach oben und nach vorne Verlagerung des Hyoids beinhaltet, gemeint ist, dann ist der Begriff der Hyoid-Elevation nicht angebracht. Sowohl die passive Umlegung der Epiglottis wie auch das Aufziehen des oberen Speiseröhren-Sphinkters würde durch eine ausschliessliche Hebung des Hyoid und Hyoid-/Larnyx-Komplexes (also bei fehlendem Zug nach vorne) nicht ausreichend funktionieren.
Damit der Schluckakt normal ablaufen kann, braucht es sowohl Kontraktion von Muskelfasern, die den Hyoid-Komplex nach oben und gleichzeitig Fasern, die nach vorn ziehen.
Die physiologische Auslenkung nach vorwärts-aufwärts erfolgt durch:
Vorwärtszug
Aufwärtszug = Hebung = Elevation
Das Zusammenspiel der kurzen Muskelfasern im Mundboden und der langen Fasern vom Hyoid zur Schädelbasis ist sowohl diagnostisch wie auch therapeutisch relevant! In diesem Sinne sind die oben genannten Begriffe differenziert und keineswegs synonym zu verwenden.
